Blutegel

 

Der Blutegel (Hirudo medicinalis officinalis) wurde schon seit Jahrtausenden zu therapeutischen Zwecken verwendet. Wie beim Aderlaß hat man diese Therapie aber in den letzten Jahrhunderten oft maßlos übertrieben, was schließlich eine Ursache für den schlechten Ruf und das Verschwinden der Methode und des in Mitteleuropa praktisch ausgerotteten Blutegels war. Heute wird das ca. 5 cm lange Tier meist in Zuchtanstalten kultiviert oder aus Gegenden mit gering belasteter Umwelt importiert.

 

Die Blutegeltherapie ist eine spezielle Form des kleinen Aderlasses. Wobei der therapeutische Effekt nicht nur durch einen Blutverlust, sondern auch durch die Sekrete ausgelöst wird, die der Blutegel in die Wunde läßt (sezerniert).  


Der Blutverlust durch Saugen des Tieres (ca. 10 ml) und die Nachblutung (ca. 20-40 ml) entsprechen einem sehr sanften und langsamen Aderlaß mit Abnahme des roten Blutfarbstoffes, entsprechendem Eiweißverlust und lokaler Entödemisierung. Der Blutverlust wird durch Zwischengewebsflüssigkeit ersetzt, wodurch es zu einer deutlichen Verminderung der Viskosität und Verbesserung der Fließeigenschaften des Blutes ("Blutverdünnung") besonders in der Endstrombahn kommt. Dieser Effekt wird durch das vom Blutegel sezernierte Antikoagulans Hirudin verstärkt.  

 

Es kommt zu einer lokalen Wirkung durch mehrere Blutegelwirkstoffe, die der Egel während des Saugens in die Wunde sezerniert:

  • Hirudin hemmt die Blutgerinnung, wirkt diuretisch und antibiotisch. Es hält die Wunde für den ca. 30 minütigen Saugakt offen und das Blut fließfähig.
  • Calin hemmt ebenfalls die Blutgerinnung. Hat aber im Gegensatz zu Hirudin eine wesentlich längere Wirkzeit und sorgt somit für die ca. 12 Stunden dauernde Reinigung der Wunde durch Nachbluten.
  • Hyaluronidase ist ein "Ausbreitungsfaktor" der dafür sorgt, daß sich die anderen Wirksubstanzen an den Bißstelle ausbreiten können.
  • Eglin hemmt Verdauungsproteasen. Bdellin ist ein Plasminhemmer. Sie wirken zusammen mit Apyrase und Kollagenase mit unterschiedlichen Wirkmechanismen an der Gerinnungshemmung mit. Darüberhinaus haben einige dieser Substanzen entzündungshemmende, antibiotische und weitergehende Eigenschaften.
  • Eine anästhesierende Substanz führt zur Schmerzunempfindlichkeit (Analgesie) beim Saugen.
  • Hementin und Orgelase, die bei einer verwandten Blutegelart (Haementeria ghilianii) nachgewiesenwurden haben hyperämisierende Wirkung.

   

Die Blutegelwirkstoffe blockieren insgesamt die bei Entzündungen oder Traumen aktivierten, oft überschießenden, enzymatischen Vorgänge.